Konzeptions-Tag in der Kita

Messer, Gabel, Schere, Licht dürfen kleine Kinder nicht – oder?

Bastelstunde in der Kita. Erzieherin Alexandra schneidet gemeinsam mit den kleinen Rackern, Fensterbilder aus Pappe. Kollegin Sigrun steht auf einmal in der Tür. Ihre Stimme zittert vor Erregung: „Was tust du da? Wie kannst du bitte die Kinder mit Scheren arbeiten lassen?“ Die Kinder am Basteltisch wirken sofort verunsichert und wissen nicht mehr was sie machen sollen…

So fassettenreich wie unsere eigene Erziehung ist, genau so unterschiedlich sind die Reaktionen und unser Handeln auf unser Umfeld. Was für den einen Richtig erscheint ist für andere möglicherweise falsch. Natürlich nur aus dem jeweiligen Blickwinkel betrachtet. Nach meinem letzten Konzeptions-Workshop in einer Kita habe ich mich gefragt, aus welchem Grund immer mehr Kitas Konzeptions-Tage nutzen und benötigen.

Die Antwort ist genauso einfach wie schwierig. Je mehr der Mensch mit Kommunikation im direkten Miteinander zu tun hat, umso notwendiger ist es, richtig zu kommunizieren. Dabei spielen die eigene Erziehung und Kultur oft eine zentrale Rolle, welche gegebenenfalls erstmal aufgeschlüsselt, erkannt und verdeutlicht werden muss.

Der letzte Konzeptions-Tag in diesem Umfeld hat mir, wieder einmal, gezeigt, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Kultur oder Philosophie zu erarbeiten und zu leben. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein Kindergarten, eine Schule, eine mittelständische Firma oder einen Konzern handelt. Wenn keine klar definierte Kultur vorhanden ist, wird es schwierig gemeinsam in eine Richtung zu Steuern. Manchmal kann es sogar dazu führen, dass Führungskräfte und/oder Mitarbeiter erkennen, dass sie sich auf dem falschen Dampfer befinden. Und das ist auch gut so. Denn wenn Mitarbeiter einen anderen Hafen ansteuern wollen als der Kapitän und die Route es vorgibt, kann es bis zur Meuterei kommen. Das gesamte Umfeld wird, bewusst oder unbewusst, davon beeinflusst.

Eine gemeinsame Kultur unterstützt auch in unsicherem Gewässer ein gemeinsames Vorgehen. Selbst wenn NICHT klar definiert ist, ob Kinder mit der Schere unter Aufsicht schneiden dürfen oder nicht, kann, mit dem richtigen kommunikativen Umgang der Erzieher untereinander, dem Umfeld Sicherheit gegeben werden. So kann in der Situation am Basteltisch, die Kultur zum Beispiel vorgeben, dass Unverständnis NICHT vor den Kindern zum Ausdruck gebracht wird, sondern anschließend, ohne Anwesenheit der Kinder, besprochen wird. Eine gemeinsam Kultur schafft Sicherheit und ein extrem hohes Maß an Transparenz.